Sonntag, 21. Juni 2015

Ostsee - Paradies

Ein kleiner Bericht von einer erneuten "Entdeckerfahrt" an die Ostsee.


Vergangene Woche bin ich ein Stück an der deutschen Ostseeküste entlang gefahren: von Rostock nach Warnemünde, dort mit der Fähre über die Warnow zum Strandgebiet "Hohe Düne" und dann immer weiter an der Küste entlang gen Osten nach Graal-Müritz, auf Fischland mit dem Ort Dierhagen, weiter über die schmale Landzunge zum Darß mit Ahrenshoop und dem Darßer Hauptort Prerow, dann Richtung Zingst, bin aber vorher abgebogen, um über die Meinigenbrücke wieder das Festland zu erreichen und nach Rostock zurück zu kehren. Anderntags bin ich dann hinauf nach Boltenhagen gefahren und von dort weiter nach Travemünde.



Bis auf Boltenhagen kannte ich alle Orte von meiner Fahrt vor vier Jahren; vor zwei Jahren war ich dann nur auf Rügen und Usedom. Ich habe aber an anderen Orten als damals länger Station gemacht und sie mir genauer angeschaut, so Graal-Müritz und vor allem Dierhagen. Dort bin ich vormals nur durchgefahren. Graal-Müritz hat einen wunderschönen endlos langen Sandstrand, schöne Dünen und bis direkt an die Dünen heran reichenden Buchenwald, einfach toll. Der Doppelort selbst liegt zum großen Teil mitten im Laubwald. Er ist bestens ausgebaut, vor allem mit schmucken Holzhäusern für Appartements, die man mieten kann. Dort fielen mir die vielen jungen Paare mit Kleinkindern auf. Es ist noch ein ruhiger Ort, wo man eigentlich von überall aus ganz schnell an den Strand gehen oder eben im Wald sein kann. Auch sind Radwege natürlich endlos vorhanden. Die Nähe zu Rostock wird es hier wahrscheinlich am Wochenende etwas voller werden lassen.



Dann mein "Geheimtipp" Dierhagen: Liegt schon auf Fischland, also zwischen Ostsee und Bodden, der Strand ist ähnlich wie in Graal-Müritz, nur feinerer und breiterer Sandstrand. Auch hier dominiert der Buchenwald, der bis an die Dünen reicht, herrlich. Voll touristisch ausgebaut natürlich, wie man sehen kann besonders in den letzten Jahren, aber immer noch ruhig im Vergleich zu dem, was dann kam. Schön ist der alte Ortskern an der Boddenseite mit malerischem Boddenhafen, wo man gefahrlos Boote mieten kann. Ich würde sagen: Sehr familienfreundlich, mit hohem Freizeit- und Erholungswert. Und eben auch noch nicht total überlaufen.



Ahrenshoop dagegen habe ich kaum wieder erkannt: Ein moderner, nein mondäner Ort voller Neubauten und Gewimmel! Natürlich ist der Strand dort ebenfalls wunderbar, aber dort ist die Landzunge im Übergang zum Darß sehr schmal, drum auch kein Platz für Wald. Die hohe Dünenlandschaft ist aber schon beeindruckend. Sehr schön ist an all diesen Orten übrigens, dass die Küste ein bisschen nach Nordwesten geöffnet ist: Man kann also in dieser Jahreszeit den Sonnenuntergang in der Ostsee erleben - das gibts in Prerow nicht! Sie werben dafür eigens mit Sunset-Strandkörben :-)



Prerow habe ich kaum wieder erkannt, so zugebaut und voll und trubelig ist es dort geworden. Der Ort ist ja auch vergleichsweise riesig, ich habe schnell Reißaus genommen. Natürlich sind dort die Strände und Wälder zum Darßer Ort so weitläufig, dass sich auch da wohl die Menschen irgendwie verlaufen werden, aber ich habe mich diesmal dort nicht weiter aufgehalten.



Sehr gut hat mir übrigens auch Warnemünde gefallen, ein lebendiges Seebad mit tollem Strand; demgegenüber wirkt Travemünde geradezu altbacken, siehe unten. Hat sich sehr heraus gemacht in den vergangenen Jahren! Der eigene Strand und der "wilde" Strand auf der anderen Warnow-Seite (Hohe Düne) ist schon eindrucksvoll. Der Ort hat jedenfalls Charme.



Und dann Boltenhagen, für mich Neuland. Ich erinnere mich, dass es zu DDR-Zeiten ein Bad für die '"Verschickten" war mit vielen großen Kurheimen usw. Die gibst immer noch, aber als top modernisierte private Kliniken (auch neu gebaute natürlich) für bzw. gegen alles mögliche. Alles ist gediegen und eher "gesetzt" (Halle für Kurkonzerte und so), also mehr etwas für Senioren. Die kommen offensichtlich auch busseweise aus Hamburg und Lübeck, wie ich sah. Der Strand allerdings ist absolut erste Sahne: weit und breit, feiner Sand und bestes klares flaches Ostseewasser (eine Stunde später in Travemünde war dort alles voller Tang und Quallen), eine schöne Promenade oben auf den Dünen, gibts an der Ostsee eher selten. Boltenhagen liegt eben vorgeschoben in der Ostsee und nicht in der Bucht. Auf seine Weise hat also Boltenhagen auch eine Menge zu bieten, ach ja, sogar eine nette Steilküste und die wunderschöne hügelige Geestlandschaft mit Feldern drum rum. An den Rändern, drei bis fünf Meter breit, blüht jetzt der Klatschmohn über und über, ein Augenschmaus.



Travemünde hat es gegen die "neue'" Konkurrenz offenbar schwer. Man hat viel investiert in die moderne Promenade, aber der Strand ist halt dreckig und grobkörnig. Der Seetang und die Quallen kommen wahrscheinlich von der sehr tiefen Fahrrinne der vielen großen Fährschiffe, die dort mehrmals täglich ein- und ausfahren. Die wühlen das Wasser ganz schön auf, und wer weiß, was sie da noch ablassen. Andererseits ist es ein Highlight von Travemünde, die großen Pötte dicht vor der Nase beoabachten zu können. Und es gibt ja noch den weiten Priwall, ehedem das "Ende der Welt". Außerdem kann es damit punkten, von Hamburg aus vierspurig fast an den Strand zu führen - ideal für Tagesgäste und Wochenendausflügler. Es bleibt also sicher ein Badevorort von Lübeck und Hamburg, ist aber nicht mehr unbedingt einladend als Ferienort. Ich mag Travemünde trotzdem immer noch - aus reiner Nostalgie...


Montag, 29. Dezember 2014

Wilde Welt Downunder

Im November / Dezember 2014 habe ich eine Reise nach Neuseeland und Tasmanien unternommen. Weil die Eindrücke und Bilder so vielfältig und reich sind, gibt es dafür ein eigenes Blog, das ich als Reiseblog / Reisetagebuch unterwegs geschrieben habe. Es ist hier zu finden:

 Wilde Welt Downunder


Milford Sound, NZ
Nun ist es im Nachhinein etwas misslich, einen Reisebericht quasi rückwärts lesen zu müssen, so wie das Blog eben tagesaktuell aufgebaut ist. Ich habe darum alle Beiträge dieses Reiseblogs noch einmal aufgenommen, ein wenig überarbeitet, ebenfalls mit Fotos versehen, dazu die Links zu den jeweiligen Webalben übernommen, und als richtiges Reisetagebuch in Form eines eBooks (PDF) verfasst. Diese Reisebuch ist frei zum Download und unterliegt den Lizenzbedingungen von Creative Commons BY‐SA‐NC / DE 3.0, d.h. private Nutzung und Bearbeitung, Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen, keine kommerzielle Nutzung. Das Buch ist wegen der eingeschlossenen Fotos 12,4 MB groß, das File ist hier zu finden:

Das Buch "Wilde Welt Downunder" (PDF)


Viel Spaß beim Lesen und Schmökern - und vielleicht bei der Planung einer eigenen Reise in diese tolle Weltgegend!

Dienstag, 30. September 2014

Panoramawege im Allgäu

In diesem Sommer wurde man vom Wetter nicht gerade verwöhnt. Die viele Nässe machte Höhenwanderungen in den Bergen schwierig und oft unmöglich. Erst in der letzten Septemberwoche gab es einige wunderschöne Bergtage. Dennoch konnten ein paar schöne Touren gelingen. Von zweien möchte ich hier berichten. Beide gehen von der Nebelhornbahn aus.

1. Der Weg von der Station Höfatsblick über das Koblat bis hinunter ins Hintersteiner Tal ist ein Klassiker. Er wird auch Drei-Seen-Weg genannt, weil man zuerst am kleinen Koblatsee, dann am Laufbichlsee und schließlich am malerischen Engeratsgundsee vorbei kommt.

Engeratsgundsee
Man kann ihn in verschiedenen Abschnitten und Kombinationen gehen und dabei auch den Großen Daumen einschließen. Zudem gibt es mindestens zwei verschiedene schöne Abstiege ins Hintersteiner Tal (über die Engeratsgundalpe und durchs Törle). Den Ausflug zum Großen Daumen habe ich schon im vorigen Beitrag angesprochen. Als Rundweg vom Giebelhaus aus bietet sich der Aufstieg zum Engeratsgundsee an, dann weiter übers Törle und die Daumen-Scharte zum Großen Daumen und wieder über den Engeratsgundsee zurück. Das ist recht weit und anstrengend, zumal der Aufstieg zur Daumenscharte von Jahr zu Jahr schlechter wird. Dazu später mehr.

ins Bärgündeletal
Aber auch die kleinere Runde vom Engeratsgundsee an der Laufbichlkirche (so heißt ein Berggrat) vorbei zum Koblatsee und wieder zurück bietet viele Reize und wunderschöne Ausblicke. Hier begegnen einem die Wanderer, die den ganzen Weg vom Höfatsblick zum Giebelhaus machen und dann mit Bussen nach Oberstdorf zurück kehren. Der Weg führt fast die ganze Zeit übers Koblat, d.h. über ein ausgeprägtes Karstgebiet unterhalb der Wengenköpfe und des Daumenmassivs.  Da sind große Unebenheiten und Jonglieren über scharfkantige Felsrippen durch die Gegebenheiten des felsigen Untergrunds bedingt. Man muss schon aufmerksam "gehen", wobei das nicht wörtlich verstanden werden darf: Ausschreiten kann man erst wieder unten im Tal!

An der Laufbichlkirche
Der Abstieg über die Engeratsgundalpe ist sehr ausgetreten, steinig und stellenweise weglos-sumpfig. Unten auf dem Engeratsgundhof wird man für die viele Mühe wieder entschädigt.

2. Der andere Weg ist ebenfalls ein Klassiker, aber mit gehobenen Anforderungen, was das Bergwandern angeht. Es ist der Weg zum Laufbachereck und weiter um den Schneck herum zum Himmelseck und durchs Oytal zurück. Das ist lang, 7 Stunden Wanderzeit muss man veranschlagen. Aber die Ausblicke sind einfach grandios.

Überm Seealpsee
Der Bergpfad führt hoch überm Oytal knapp unter den Gipfeln des Großen und Kleinen Seekopfs entlang in gut 2 Stunden bis hinauf zum Laufbachereck (2134 m). Ein solcher Höhenweg vielfach an steilen Grashängen und Schutthalden entlang verlangt Trittsicherheit und auch etwas Schwindelfreiheit: Es ist eng dort oben! Stellen, die durch Felseinschnitte oder über Felsnasen führen, sind mit Seil gesichert. Da der Weg überwiegend an der Westseite entlang geht, kommt im Herbst auch erst spät die Sonne hervor, um das nasse Gras und den Lehm abzutrocknen. Hochsommer ist geeigneter, zumal man dann auch die Bergblüte bewundern kann. Die ist jetzt vorbei.

Laufbachereckweg
Man hat stets die markanten Zacken der Höfat vor sich, ein wirklich imposanter Grasberg. Auch der Schneck sieht von allen Seiten völlig verschieden aus und bietet absolut imposante Strukturen. Und das Panorama auf dem Pfad, der immer auf ca. 2000 m Höhe verläuft, ist schlicht atemberaubend.

Die Höfat
Zum Daumenmassiv
Am Laufbachereck wechselt man die Bergseite und geht im Südosten unten um den Schneck herum, um dann wieder einen Anstieg hinauf zum Himmeleck (2004 m) zu haben. Man hat die Allgäuer Felskette unmittelbar vor sich, zusammen mit dem imposanten Hochvogel.

Laufbachereck
Am Himmeleck
Am Himmeleck kann man Murmeltiere beobachten (ich selbst habe heuer keine gesehen, aber andere Wanderer berichteten mir von 4 Tieren). Es ist außerdem einer der wenigen sicheren Spots für Edelweiß - im Juli! Jetzt findet man allenfalls noch den Fransen- und Feldenzian.

Käseralpe
Von dort geht es rasch und auf ausgebessertem Weg (!) hinunter ins Oytal zur Käseralpe. Hier kann man sich vor dem langen Rückweg durchs Tal bis nach Oberstdorf (ca. 2 Stunden) stärken. Der Rest ist halt nur noch Ausdauer, aber mit herrlichen Ansichten dieses schönen Bergtales samt Wasserfall.

Oytal
Der Laufbachereckweg ist wirklich lohnend. Er wäre noch viel schöner, wenn er wenigstens etwas besser instand gehalten würde. Für ihn trifft zu, was mir an vielen Stellen im Allgäu während der letzten Jahre aufgefallen ist: Der Zustand der Bergwanderwege wird zusehends schlechter. Man kann kaum wirkliche Instandhaltung beobachten. Der Bergtourismus hat aber derart zugenommen, dass hunderte von Wanderern die schmalen und unbefestigten Pfade völlig austreten und teilweise schwer begehbar machen. Wo noch Schneebretter und Sturzregen die Grasnarbe wegspülen, entstehen gefährlich rutschige Abschnitte. 1000 Menschen wirken da wie eine Elefantenherde. Wenn immer mehr Touristen in die Täler geholt werden, reicht es nicht, die Bettenkapazität und die Parkplätze auszubauen, wie man allenthalben feststellen kann. Es muss auch etwas "in der Höhe" getan werden. Die bekannten Bergwanderwege bedürfen dringend einer zeitgemäßen Instandsetzung und einer fortlaufenden Pflege. Die heutigen Verhältnisse in den Bergen sind eben nicht mehr so, dass ein Pfad immer "einfach so" ein schöner Pfad bleibt. Viele von den Bergbahnen ausgewiesene Wanderwege müssten außerdem, um den gewachsenen Anforderungen der zahlreichen Bergwanderer zu genügen, verbreitert und gesichert werden. Das kann man am Laufbachereckweg besonders gut (=negativ) erleben, wenn einem die Wanderer vom Prinz-Luitpold-Haus entgegen kommen.

Bei vielen der höheren Bergwanderwege im Allgäu muss man erhebliche Mängel und Defizite feststellen, auch in der Ausschilderung. Das fällt auch anderen Wanderern inzwischen auf, ich wurde verschiedentlich darauf angesprochen. Denn man vergleicht ja. Solche Wege in einem derart schlechten Zustand, wie man sie im Allgäu finden kann, gibt es in anderen touristisch erschlossenen Bergregionen kaum mehr. Die Wege und die Instandhaltung etwa in Osttirol, im Naturpark Hohe Tauern, in Südtirol (Texelgruppe) und in der gesamten Schweiz sind beispielhaft und vorbildlich. Hier könnte das Allgäu, will es eine moderne Bergtourismusregion sein, noch einiges lernen und vieles verbessern. Nicht nur Masse, sondern auch Klasse bei der Qualität der Wanderwege sollte gelten. Das wollte schon länger einmal gesagt und geschrieben sein.

Aber die Bergschönheit bleibt ja, und sie ist es, die immer wieder und immer mehr Menschen in ihrer Freizeit in die Berge lockt. Die sollte man entspannt genießen können!

Allgäuer Täler
Hier sind alle Fotos zum Laufbachereck im Webalbum zu finden.

Update 02.10.2014
Leider sind solche Unfälle auf Höhenwegen wie hier auf dem Jubiläumsweg auch eine Folge des schlechten Wegzustands.

Samstag, 26. Juli 2014

Bergwandern im Allgäu und Tirol

Die Wandersaison ist im vollen Gange. Verschiedene Wege und schöne Touren im Allgäu und Tirol liegen bereits hinter mir. Der Juli hat uns an der Alpennordseite nicht gerade mit stabilem Sommerwetter verwöhnt. Da musste man, wenn es irgend ging, die einzelnen Tage nutzen, die sich zum Wandern eignen.


Selten war es so klar wie hier auf dem Grossen Daumen. Meist war es doch recht wolkig, was Fotos aber durchweg lebhafter macht als eintönig blauer Himmel. Wer Lust hat, kann sich ein Bild von meinen Wanderungen machen, wenn er meine Fotoalben besucht.

Um auf dem Laufenden zu bleiben und auch jeweils ausgewählte "schönste" Fotos zu betrachten, kann man mir auf Google+ folgen: Reinhart Gruhn bei Google+ Dort findet man alle meine öffentlichen Beiträge. Darüber hinaus sind Fotos von mir auch in Google Communities zu finden:
Nature Photography
Deutsche Photo Community
Wandern in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Gerne weise ich auf die Beiträge des mountunity Bergportals hin.

Einen kleinen Wandertipp aus dem Tannheimer Tal, Tirol, will ich aber hier noch geben. Ein wenig begangener wunderschöner Panoramaweg findet sich oberhalb von Nesselwängle, also am Ostausgang des Tannheimer Tals. Es ist ein Rundweg, den man in beiden Richtugen gleich gut und malerisch gehen kann. Ich beschreibe ihn hier so, wie ich ihn gestern gegangen bin:

Von Nesselwängle durch das Schneetal hinauf zur Schneealm und weiter zum Hahnenkamm (1940 m). Das ist ein schöner Aussichtsberg, den man auch bequem mit der Reuttener Hahnenkamm-Seibahn erreichen kann. Die Schneealm und der Hahnenkamm sind auch die einzigen beiden Lokalitäten, die etwas stärker bevölkert sind. Wenn man sich dann vom Hahnenkamm wieder nordwärts wendet und auf dem Sattel immer gerade aus (also nicht zur Schneealm abbiegen) weiter geht, gelangt man zum Hochjoch, wohin auch ein Pfad von der Gehrenalm (Reutter Seite) führt. Dann folgt man 2 Stunden lang dem Höhenweg Richtung Tannheimer Hütte und Gimpelhaus Richtung Rot Flüh. Es ist wirklich ein schmaler Berpfad über Wiesenhänge (kann stellenweise rutschig sein) und unter den gewaltigen Kalkwänden der Tannheimer Berge entlang. Etwas auf und ab führt er unterhalb der Koellenspitze und des Gimpel an Kalkhöhlen vorbei, sehr malerisch. Zur Rast lädt dann die urige Tannheimer Hütte ein. In wenigen Minuten ist man dann am Gimpelhaus und kann den inzwischen gut ausgebauten Wanderweg hinunter nach Nesselwängle nehmen.

Anfangs sind gut 800 Höhenmeter zu ersteigen, dann geht es weiter mit viel rauf und runter, also ist der Weg durchaus abwechslungsreich und etwas anstrengend. Die Aussichten sind aber wunderschön, die Bergblüte bietet reiche Pracht, derzeit mit viel Gelbem Enzian. Überlaufen ist der kleine Pfad dort oben nie. Bisweilen trifft man Kletterer, die sich auf den Klettersteig der Koellenspitze oder gar an den Gimpel wagen. Mit Pausen ist man gut und gerne mindestens 6 Stunden unterwegs. Aber schee is... :-)


Hier noch der Link zum Webalbum und die Tourenbeschreibung bei bergfex.

Montag, 26. Mai 2014

Viva la Garda


Ein paar Tage am Gardasee sind in dieser Jahreszeit eine feine Sache: Hier noch Frühling, dort schon Sommer, zumindest nach unseren Begriffen, außerdem noch Vorsaison und nicht so völlig überlaufen. An Baden ist zwar noch nicht zu denken, dafür laden die Berge und Olivenhaine zum Wandern ein. Ich habe mich zentral in Malcésine einquartiert (der Akzent soll nur die richtige Betonung anzeigen), und das erweist sich als gute Wahl.

Der Ort hat schöne verwinkelte Gassen, einen malerischen Hafen, das heißt eigentlich zwei, denn der alte Hafen ist ebenfalls nett und ruhig. Man findet jede Menge Restaurants und Boutiquen, manche recht versteckt in kleinen Nebengässchen. Noch kann man alles einigermaßen ruhig genießen. Man findet abends auch bequem einen Tisch ohne Vorbestellung. Das muss alles in der Pfingsten beginnenden Hauptsaison recht anders werden...



Alles am See überragt die alte Scaliger-Burg, die an sich schon sehenswert ist und von deren Turm sich ein herrlicher Ausblick auf die Dächer des Ortes und den See bietet.
Besonders schön ist die lange Promenade in der südlichen Bucht mit blühenden Rosenrabatten und netten Lokalen. Die Oasi Bar lädt besonders abends zu einem gemütlichen Drink ein.





Gleich hinter dem Ort ziehen sich die Olivenhaine am Berghang entlang, darin überall Hotels und Gästehäuser mit Appartements verstreut. Erst weiter oben Richtung San Michele wird es ruhiger. Es lohnt eine Runde über die Via Panoramica zu fahren.


Von Malcesine aus führt die Bergbahn in zwei Etappen hinauf auf 1760 m ins Monte Baldo - Massiv. Das ist bei guter Sicht natürlich absolut lohnend, der Ausblick herrlich. Derzeit sind die höchsten Gipfel noch reichlich mit Schnee bedeckt und bilden einen reizvollen Kontrast zum blühenden Tal und dem blauen See.

Noch mehr Fotos aus Malcesine und vom Monte Baldo zeige ich in meinem Webalbum Malcesine.

Von Malcesine aus bieten sich Ausflüge an nach Sirmione am Südende des Sees an und natürlich auch nach Limone, das fast gegenüber liegt und stündlich mit Booten angefahren wird.





Den Gardasee auf der Straße zum umrunden, gibt zwar einen guten Überblick, ist aber eine langwierige und insgesamt anstrengende Sache, denn auf der Uferstraße herrscht stets reger Verkehr. Um diese Jahreszeit kommt man allerdings überhaupt noch durch. Da mache ich denn auch im oft übersehenen Peschiera einen Stop, wo sich der Ausfluss des Gardasees in den Mincio befindet.


 Sirmione ist schon allein wegen der exponierten Lage auf der schmalen Landzunge im Gardasee sehenswert. Auch dort befindet sich eine Scaliger-Burg und auf dem Nordzipfel die archäologische Stätte Grotte Catullo.
Der alte Ortskern zwischen Catulls Grotte und Kastell ist sehr malerisch, aber auch zu dieser Zeit bereits touristisch überlaufen. Die noblen Hotels haben sich eingemauert bzw. eingezäunt und halten Abstand zu dem Gewimmel.
Wie gesagt: Zu dieser Jahreszeit noch alles erträglich und schön zu genießen.







 Das gilt auch für Limone, das ich vom See her anfahre. Die in diesen alten Orten ohnehin engen Gassen sind hier am Felshang noch ein Stück schmaler und vor allem steiler. Darum gibt es auch keine durchgehende Promenade am See entlang, denn immer wieder stehen alte Häuser direkt am Wasser.
Das Örtchen quetscht sich recht an die Felsen und bietet dort noch Platz für sehenswerte Zitrus-Plantagen, für die ein geringer Eintritt verlangt wird - lohnt sich. "Limone" kommt zwar nicht von den Limonen, aber sie passen gut dorthin.
Wirklich hübsch ist auch der Ausblick über den See auf den mächtigen Monte Baldo, zumal wenn der noch schneebedeckt ist. Hat man genug, ist man in 20 Minuten Bootsfahrt wieder zurück in Malcesine.






Natürlich soll auch der nördliche Hauptort Riva del Garda nicht vergessen werden und sein sportliches Pendant  Nago - Torbole jenseits des felsigen Monte Brione. Man sollte allerdings am Nachmittag mit der heftigen Ora rechnen, ein Wind, der Torbole zu Surfers Paradise gemacht hat.
Und dann gibt es ja noch so viel mehr Ausflugsmöglichkeiten, der Tenno- und der Ledrosee zum Beispiel oder die wirklich imposanten Cascata del Varone gleich oberhalb von Riva und natürlich Arco mit seiner Burg und und und. Ein paar Tage reichen nicht, um alles zu sehen.

Einiges von dem, was ich besucht habe, befindet sich als Fotos in meinem Webalbum Gardasee.

So wie ich es am Lago di Garda angetroffen habe, ist es noch sehr gut. Aber wehe wenn die Saison richtig los geht, dann möchte ich nicht dort sein, nicht einmal für geschenkt. "Malle" im Norden...


Samstag, 5. April 2014

Unten grün - oben weiß

Der Winter weicht nun auch in den höheren Lagen der Allgäuer Alpen der warmen Frühlingsluft. Nur Tourengeher genießen noch den Frühjahrsfirn. Im Rückblick war es hier auf der Alpennordseite ein seltsamer Winter: Er begann früh, verlief ungewöhnlich warm und schneearm und hörte dementsprechend auch früher auf als in anderen Jahren. Den ersten heftigen Schneefall gab es Ende November 2013 - und damit für mich die Eröffnung der Skisaison in Grasgehren am Riedbergpass.




Ein winterlich eingeschneites Obermaiselstein gab es danach auch nicht mehr so oft bzw. lange zu sehen. Für viele Wochen, sogar für den eigentlich kältesten Monat Januar galt im Illertal: Unten grün - oben weiß, mit kurzen Unterbrechungen versteht sich. Dennoch hatte der Winter in den Bergen natürlich seine besonderen Reize und Schönheiten wie hier am Moorweiher oberhalb von Oberstdorf.



Ich kann aber, was das Skivergnügen betrifft, dennoch nicht klagen, denn dank der Beschneiung waren die Pisten immer gut und meist sogar sehr gut zu befahren. Allerdings war der Andrang wegen des Schneemangels in den tieferen Regionen gerade in den hoch gelegenen Skigebieten von Fellhorn und Kanzelwand sehr groß. Aber das tut dem Genuss der herrlichen Bergpanoramen keinen Abbruch wie hier am Fellhorn:




Als dann nochmal ein richtige Schwung Neuschnee kam, siehe obiges Foto, da war es schon Mitte März...

Am Nebelhorn beeindruckt immer wieder das fantastische Panorama. Es ist schon unglaublich schön, immer mit dieser Bergwelt vor Augen in einem Schnee- und Skiparadies zu sein.




Wenn sich dann die weiten Pisten vor einem ausdehnen, ist es ein riesiges Glücksgefühl, übertroffen nur von der Freiheit der Gleitschirmflieger.




In den letzten Tagen Anfang April gab es noch das Schauspiel des Saharastaubes, der als milchig-rosa Schleierwolke über den Bergen lag und eine eindrucksvolle Stimmung ergab.


Also bei all der Herrlichkeit kann ich wirklich nicht sagen, man wäre in diesem Winter zu kurz gekommen. Ich habe ihn voll ausgekostet!



Denn da gab es noch einige Ausflüge nach Tirol und in die Engadiner Berge, nach Samedan und nach Samnaun. Das wäre einen eigenen Beitrag wert. Hier gibt es Fotos zum "Schnuppern", zuerst St. Moritz:



Da kann man sprachlos werden und überwältigt von der Schönheit der mächtigen Viertausender des Berninamassivs. Die weite Höhe des Oberengadin ist etwas sehr Einmaliges - und hier auch Schnee in Massen!

Und dann noch Eindrücke aus dem schönen Samnaun mit dem großen Silvretta-Skigebiet Ischgl - Samnaun. Selbst in dieser Höhe (Samnaun liegt 1800 m, das Skigebiet geht auf über 3000 m) war der Schneemangel doch deutlich, aber immerhin, es war noch genug da - und das bei erstaunlicher Wärme oben auf den Bergen!



Dann kommt aber doch der Frühling mit Macht und lockt einen an den in dieser Zeit noch kühlen Bodensee. Spätestens wenn die Magnolien blühen, sehnt man sich nach Sonne, Wärme und dem Grün der Bäume.



So hatte auch dieser Winter wieder sein Schönes, Bezauberndes. Nicht nur in den Bergen, aber hier eben mit der ganzen Besonderheit der Allgäuer Landschaften.